[Birgit Broecheler
]
Nerja

m Jahre 1849 entdeckte Johannes Kneipp die heilsame Wirkung kalten
Wassers. Seine Selbstversuche, die Schwindsucht zu heilen, waren
überaus erfolgreich. Kurze Zeit später führte Kneipp
– begleitet von vielen Widerständen – seine Wasserbehandlungen
an Tausenden Leidenden durch. Auch heute noch wenden zahlreiche
Menschen die Kneippsche Wasserkur an, um den Wärmehaushalt
ihres Körpers zu regulieren.
Wer einmal eine kostenlose Kneippkur machen will, der sollte eine
Tour durch den Río Chillar bei Nerja machen. Das Gehen im
kalten Flusswasser belebt nicht nur den Körper und fördert
die Durchblutung, es ist auch ein guter Sport: Immerhin muss man
ständig gegen das Wasser ankämpfen.
Solches Wassertreten kann man im trockenen Andalusien ja eher selten
machen, vor allem im Sommer. Der Río Chillar aber ist einer
der wenigen Flüsse Andalusiens, die ganzjährig Wasser
führen. Solch eine schöne Schlucht, in den Ausläufern
der Sierra de Almijara gelegen, vermutet man gar nicht dort, so
nah der massiv bebauten Küste und der Autobahn. Umso mehr überrascht
die wilde Schönheit der Natur. Um diese auch ganz in Ruhe genießen
zu können, sollte man so früh wie möglich am Morgen
losgehen. An warmen Wochenendtagen können nämlich massenweise
Familien zu dieser kostenlosen Kneipptour aufbrechen.

Die Wanderung startet beim Betonwerk Holcim, das sich bereits im
ausgetrockneten Flussbett des Río Chillar befindet. Man kann
auch noch ein gutes Stück weiterfahren, allerdings wird der
Weg ab hier sehr viel schlechter. Wer sich also nicht sein Auto
kaputt machen will, sollte hier parken und zu Fuß gehen. Auch
wenn man nasse Füße bekommt, gutes Schuhwerk ist unabdingbar.
Empfehlenswert sind entweder alte Sportschuhe, in denen man gut
laufen kann, oder bequeme Trekkingsandalen. Ausreichend Verpflegung
sollte man ebenfalls dabei haben.
Das erste Stück läuft man durch das breite ausgetrocknete
Flussbett. Zwar säumt den Weg schöne Vegetation, aber
das ist noch kein Vergleich zu später. Nach zirka 20 bis 30
Minuten gelangt man an ein Wasserkraftwerk. Hier endet definitiv
der Weg für die Autofahrer, die sich getraut haben, weiterzufahren.
Ab hier wird es auch zunehmend schwieriger, trockenen Fußes
weiterzukommen. Man kann es noch ein Stück versuchen, aber
die Umwege, die man teilweise durch das Gebüsch zurücklegen
muss, rauben einem mehr den Spaß, als wenn man seine nassen
Füße akzeptiert. Und – wie gesagt – gesund
soll es ja auch sein.

Ein schöner Wasserfall überrascht den Wanderer und lädt
gleich zu Beginn zu einem erfrischenden Bad ein. Aufgrund seiner
Nähe zur Zufahrt ist er aber auch schnell besetzt. Folgt man
dem Fluss weiter aufwärts, so erhält man eine weitere
Chance zum Baden: In einem mit Steinen aufgestauten Becken steht
das Wasser relativ hoch. An den Rändern gibt es zudem Sitzmöglichkeiten,
von denen aus man die vorbeiziehenden Wanderer in Ruhe betrachten
kann.[...]

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