Karwoche in Sevilla
Wenn sich ein Aspekt der Semana Santa in Sevilla hervorheben wollte,
so wären es die Schnitzfiguren der Mutter Gottes unter dem
Pallium. Es handelt sich um barocke Bildnisse mit Silber- oder Goldkronen,
bestickten Umhängen und samtenen Kleidungen.
Beinahe 60 Prozessionen ziehen durch die Stadt, die von den Laienbrüderschaften
der verschiedenen Pfarren und auch anderen Gruppen organisiert werden.
Rund 50.000 Personen verkleiden sich als Büßende in dieser
Semana Mayor genannten Festwoche. Einige gehen als Büßer
und andere bürden sich als 'Costaleros' die Prozessionsfiguren
auf.
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Einer der wichtigsten Augenblicke der Semana Santa ist der Moment,
in dem die Virgen de la Macarena am Gründonnerstag um zwölf
Uhr nachts die Kirche verlässt.
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Geschichte:
Die ersten Hermandades bildeten sich bereits im 14.
Jahrhundert. Zu dieser Zeit waren öffentliche Geißelungen
weit verbreitet und als Mittel zur Vergebung der Sünden gemeinhin
anerkannt. Diese ersten Bruderschaften, die nach Zusammenschlüssen
und Namensänderungen teilweise immer noch in den heutigen weiterleben,
veranstalteten erste Prozessionen, bei denen sich die Teilnehmer
kasteiten. Die Bruderschaften dieser Zeit bildeten sich in der Regel
aus Angehörigen einer bestimmten sozialen, Berufs- oder ethnischen
Gruppe. Dies manifestiert sich auch heute noch in den Namen einiger
der älteren Bruderschaften: Los Panaderos (die Bäcker)
oder Los Gitanos (die Zigeuner).
Der Ursprung der Semana Santa, wie sie heute begangen wird, liegt
im Jahr 1521. Fadrique Enríquez de Ribera, der erste Marquis
von Tarifa richtete nach seiner Rückkehr aus dem Heiligen Land
einen Kreuzweg ein. In den folgenden Jahren markierten die Stationen
dieses Kreuzwegs den Verlauf der Bußprozessionen der Bruderschaften
Sevillas.
Im Jahr 1604 legte Kardinal Niño de Guevara den Grundstein
für den Prozessionsweg, der heute noch üblich ist. Er
bestimmte, dass alle Bruderschaften Sevillas auf ihrem Bußweg
die Kathedrale zu besuchen hätten, und die aus Triana stammenden
die Parroquía de Santa Ana. Hintergrund waren neue kirchliche
Vorschriften, die darauf abzielten, die öffentlichen Geißelungen
in geregelte Bahnen zu lenken.
Im Laufe des 18. Jahrhunderts fand eine Verschiebung in der grundlegenden
Struktur der Hermandades statt: sie wandelten sich von einer bestimmten
Gruppen vorbehaltenen Organisationen zu hermandades de barrio, d.h.
dem Stadtviertel ihrer Heimatgemeinde verbundenen Einrichtungen.
Im 19. Jahrhundert kam es zu den schwersten Konflikten zwischen
den Bruderschaften und der Staatsgewalt. Unter anderem die Unterdrückung
unter der französischen Besetzung Spaniens und die folgenden
liberalen Regierungen führten zum Verschwinden zahlreicher
Bruderschaften.
In der zweiten Hälfte des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts
bildete sich die Semana Santa in ihrer heutigen Form. Die katholische
Kirche bemühte sich um eine Stärkung der Position der
christlichen Rituale in der Gesellschaft. Insbesondere wurde die
Marienverehrung gefördert, z.B. durch die Verkündigung
des Dogmas der Unbefleckten Empfängnis im Jahr 1854. Darüber
hinaus entdeckten verschiedene Gemeinden die touristische Anziehungskraft
der traditionellen Prozessionen und subventionierten die Hermandades,
um diese Tradition zu erhalten. Mit dieser Überwindung des
Konflikts mit der Staatsmacht war der Weg frei für die hohe
Bedeutung, die die Feiern der Karwoche in Sevilla und ganz Spanien
heute haben. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich Schritt
für Schritt die Semana Santa in ihrer heutigen Form. In den
letzten Jahren haben verschiedene Bruderschaften auch Frauen die
Teilnahme an den Prozessionen gestattet. Traditionellerweise konnten
Frauen zwar Mitglied einer Hermandad sein, aber nicht als Nazarena
mit der Prozession gehen.
Die Prozessionen
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Typischer Ablauf
In groben Zügen ist der Prozessionszug (cortejo genannt) einer
Hermandad wie folgt aufgebaut:
* Cruz de Guía (Leitkreuz): Ein großes Kreuz, meist
aus Holz und mit Silber verziert, das die Prozession eröffnet
und den Weg für den Zug bahnt. Bei einigen Bruderschaften folgt
auf das Cruz de Guía eine erste Kapelle.
* Nazarenos del Cristo: Der erste Teil der Büßer. Üblicherweise
gehen diese in Zweierreihen und tragen große Kerzen, teilweise
sind auch andere Insignien zu sehen, z.B. Silberstäbe, die
Fahnen der Bruderschaft oder Holzkreuze.
* Paso del Cristo: Der erste Paso, der eine Szene aus der Leidensgeschichte
darstellt. Er wird von einem Capataz geleitet und etwa 40 bis 50
Costaleros auf den Schultern getragen. Bei den meisten Hermandades
folgt dem Paso eine Musikkapelle, die getragene Marschmusik spielt.
Einige Bruderschaften haben keine musikalische Begleitung.
* Nazarenos de la Virgen: Die zweite Teil der Büßer.
Bei einigen Bruderschaften unterscheidet sich ihre Kleidung von
der der Nazarenos del Cristo
* Paso de la Virgen oder Paso de palio: Der zweite Paso, der die
Prozession abschließt. Er zeigt ein Bildnis der Jungfrau Maria
und ist mit einem Baldachin bedeckt. Auch auf diesen Paso folgt
in der Regel eine Kapelle.
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